Zunächst waren es nur Spekulationen, die den Doktortitel des Verteidigungsministers Guttenberg in Frage stellten. Mittlerweile ist es aber wohl ohne Zweifel klar, dass wirklich etwas mit der Doktorarbeit, die der an sich sympathische Politiker verfasst hat, nicht ganz stimmen kann. Fußnoten und Plagiate: Diese beiden Worte finden in den letzten Tagen in allen Nachrichten und Magazinen ihren Platz; man könnte fast vergessen, dass es auch wichtigere Dinge im Leben und in der Weltpolitik gibt. Dennoch ist es nur der Nebensatz, der im RTL Nachtjournal auf die drei getöteten Soldaten aus der Kaserne in Regen im Bayrischen Wald verweist; das Hauptthema des Beitrags war wieder einmal das wissenschaftliche Werk des Politikers beziehungsweise sein Versuch, diese Arbeit als solche zu deklarieren. Sieben Jahre habe er geschrieben, so eröffnete Guttenberg seine Erklärung; neben Arbeit und Familie könne da schon etwas falsch gelaufen sein. Mittlerweile ist sich niemand mehr sicher, was aus eigener Feder stammt und was kopiert beziehungsweise abgeschrieben war – der Doktortitel ruht und das ist wohl auch gut so.

Was wäre, wäre es der ehemalige Student Max Mustermann, der auf diese Weise seine Doktorarbeit abgeliefert hätte? Würde es auch nur einen Menschen interessieren? Müsste sich hier auch jemand, wie im Falle Guttenberg die Bundeskanzlerin, die Frage der Opposition gefallen lassen, ob Charakter in ihrem Kabinett keine Wertigkeit beistzt? Wohl kaum! Es ist eine schwere Aufgabe, die der deutsche Verteidigungsminister zu absolvieren hat: Die Umstrukturierung der Bundeswehr bei gleichzeitigem Aussetzen der Wehrpflicht, aber einem Kriegseinsatz in Afghanistan – all das kostet Kraft, Nerven und völlige Hingabe. Deswegen wohl winkt Karl Theodor zu Guttenberg ab, wenn das Thema Doktorarbeit immer und immer wieder auf den Tisch kommt – er hat wichtigeres zu tun und kann sich, zumindest im Moment, noch der Unterstützung der Bürger, wie in der Bildzeitungs-Umfrage bewiesen, sicher sein.