Die Zahl der Menschen, die noch nicht über einen Account bei Facebook verfügen, dürfte wohl bald schon kleiner sein, als die Anzahl derer, die schon registriert sind. Wer sein Konto auf der Plattform in welchem Ausmaße nutzt, ist nicht so genau zu beurteilen; da gibt es jene, die über jeden ihrer Atemzüge berichten und die anderen, die alle paar Wochen einmal nachsehen, was es Neues gibt. Die irrwitzige Anzahl von Freunden, die schon geaddet wurden, lässt bei manchen Usern die Frage aufkommen, wie ernsthaft sie wirklich Kontakte pflegen wollen, oder eben nicht. Je mehr virtuelle Freunde man im social Network hat, umso ernsthafter muss man die Sache doch auch betreiben – oder ist es vielleicht sogar möglich, dass man, je mehr Nachrichten man lesen sollte, um allen Kontakten gerecht zu werden, desto weniger Interesse an den Tag legt? Es ist jedoch erwiesenermaßen schwierig, bei mehr als 1000 Freunden auf der eigenen Freundesliste jedem, der sein neuestes Problem vom Loch in der Socke bis hin zum Fußballergebnis bei Facebook postet, die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Jugendliche, Erwachsene, Selbständige und Arbeitslose, Weiblein und Männlein, politisch Interessierte und Alles-Verneiner: Alles trifft sich auf Facebook. Das bedeutet auch, dass über Dinge geredet wird, die selbst am Stammtisch in der Eckkneipe der sozial eher schwach gestellten Plattenbausiedlung nicht beredet werden. Sogar das Mobbing ist nicht mehr dem Arbeitsplatz oder der Schule vorbehalten, sondern findet über Internet Communities statt. Davon unberührt bleiben natürlich Fahndungsaufrufe der Polizei, Suchmeldungen über vermisste Personen und die ernsthaften Dinge, die natürlich bei Facebook auch gepostet und kommentiert werden. Eben Dinge, die den „Gefällt-mir Button“ durchaus verdient haben.