Seinen eigenen Worten zufolge hat Karl-Theodor zu Guttenberg die Kraft verlassen. Angesichts der teilweise doch recht drastischen medialen Hetzjagd der letzten Tage überrascht das wenig. Überraschend kam er dann aber doch, der Rücktritt des Verteidigungsministers zu Guttenberg am heutigen Vormittag. Damit verliert Guttenberg nach seinem Doktortitel auch sein Ministeramt. Ob Guttenberg auch von seinem Bundestagsmandat zurücktritt, ist noch offen. Aus Kreisen der CSU war jedoch zu erfahren, dass auch das wahrscheinlich ist.

Guttenberg sprach in seiner kurzen Mitteilung vor allem davon, dass er es nicht mehr verantworten kann, dass die Affäre um seine Doktorarbeit die wichtigen Dinge seines Amtes in den Hintergrund drängt. In Verbindung mit seiner Person war nur noch die Rede von seinem Doktortitel, während tote und verletzte Soldaten der Bundeswehr nur als Randnotiz in den Medien zu finden sind. Dies darf durchaus als Seitenhieb auf die mediale Berichterstattung verstanden werden.

Die Medien spielten in dieser Affäre sowieso eine zentrale Rolle. Eigentlich spielen sie diese Rolle schon sehr viel länger. Die Springer-Presse sorgte mit ihren Berichten zu einem nicht unerheblichen Teil für den kometenhaften Aufstieg des fränkischen Adligen in der Bundespolitik. Auf der anderen Seite gab es natürlich auch kritische Presse. Vor allem der Spiegel und die FAZ taten sich hier besonders hervor. Aber auch im Internet fanden sich etliche begeisterte Menschen, die sich in fast schon missionarischem Eifer auf die Suche nach kopierten Textpassagen in Guttenbergs Doktorarbeit machten. Abzuwarten bleibt, ob sie, angestachelt durch ihren Erfolg, weitermachen und sich auf die nächste Doktorarbeit eines Politikers stürzen. Auch wäre es wünschenswert gewesen, dass sich Guttenbergs Doktorvater mit nur annähernd derselben Akribie, wie er sie offensichtlich von seinen Schützlingen verlangt, der Korrektur der Guttenberg’schen Doktorarbeit gewidmet hätte. Dann hätte er womöglich erkannt, welches zusammenkopiertes Sammelsurium er da auf seinem Schreibtisch liegen hatte. Die schon benutze Ausrede, zu der Zeit als Guttenberg seine Arbeit geschrieben hat, gab es die Möglichkeiten des Internets wie heute noch nicht, darf als lächerlich bezeichnet werden, hat Guttenberg seine Doktorarbeit doch lange, nachdem Boris Becker der Welt verkündet hat, er wäre jetzt drin, geschrieben.

Der Vorhang für Guttenberg war noch nicht ganz gefallen, als auch schon die Debatte um mögliche Nachfolger für das Amt des Verteidigungsministers begann. Peter Ramsauer war einer der ersten Namen, die die Runde machten. Eigenen Angaben zufolge möchte er das Amt aber nicht antreten, was eine Ernennung Ramsauers zum Verteidigungsminister wahrscheinlicher macht. Auch Markus Söder, Gesundheitsminister in Bayern, ist im Gespräch. Überraschend wäre dagegen die Besetzung dieses Amtes mit einem grünen Minister. Anbieten würde sich hier vor allem Joschka Fischer, der ja nach eigener Aussage durchaus Erfahrung im Straßenkampf vorzuweisen hat.

Inwiefern das Thema Guttenberg und Politik am heutigen Tage sein Ende gefunden hat, steht noch nicht fest. Denn schon mehrfach standen in Schimpf und Schande davongejagte Politiker wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche auf und starteten eine zweite Karriere. Zu wünschen wäre es Guttenberg – und Deutschland.