Der Gipfel der G-20-Staaten in Seoul droht vom Streit um die Geldpolitik überschattet zu werden. US-Präsident Obama hat im Vorfeld des Gipfels einen Rundbrief an die Teilnehmer gesendet und diese darin aufgefordert, sich um eine dauerhafte und starke Erholung der Weltwirtschaft zu bemühen.

Tausende Polizisten und Soldaten sollen die Teilnehmer des G-20-Gipfels in Südkorea vor Demonstranten schützen. Gegen die Streitereien der Teilnehmer untereinander können sie dagegen nichts ausrichten. Besonders die unterschiedlichen Auffassungen der USA, Deutschlands und Chinas zum Thema Währungspolitik droht das Treffen in den Hintergrund treten zu lassen. Jetzt hat Barack Obama sich in einem Rundbrief an die Teilnehmer des Gipfels gewendet. Darin fordert er die anderen Staaten dazu auf, sich nicht mehr so sehr wie bisher auf die USA als Absatzmarkt zu verlassen. Als Begründung führte er an, dass sein Land seinen Konsum auf Pump deutlich einschränken müsse, um eine Grundlage für eine dauerhafte Erholung der US-Wirtschaft zu schaffen. Gleichzeitig forderte er vor allem Deutschland und China auf, Geld auszugeben.

Konkret kritisiert Obama damit auch die hohen Exportüberschüsse der Bundesrepublik. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner schließt auch China mit ein und forderte im Vorfeld des Gipfels von beiden Nationen, sich am Abbau des Ungleichgewichtes zwischen Export- und Importnationen zu beteiligen. Er glaube daran, dass sich die Teilnehmer auf eine dahin gehende Selbstverpflichtung einigen könnten, da die Unstimmigkeiten diesbezüglich, seiner Meinung nach nicht so hoch wären.

Gleichzeitig kritisierten China und Deutschland die Vereinigten Staaten, weil deren Notenbank angekündigt hatte, Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar zu kaufen. Dadurch sinke der Wechselkurs der amerikanischen Währung und verschaffe so den USA einen unfairen Wettbewerbsvorteil. Deutschland und China warnten erst kürzlich, dass das Eintreten einer neuen Wirtschaftskrise durch das Verhalten der USA unvermeidlich sei. China sprach sogar davon einen „währungspolitischen Schutzwall“ zu errichten, um sich abzusichern. Obama verteidigte indes das Vorgehen der amerikanischen Notenbank und verwies darauf, dass dadurch die US-Wirtschaft gestärkt werde, was sich wiederum positiv auf den Konsum auswirken werde. Weiter warf er den Chinesen vor, die Landeswährung ihrerseits künstlich niedrig zu halten. Fast nur noch eine Randnotiz war der Appell des UNO-Generalsekretärs Moon, der Gipfel möge doch daran denken, seine Versprechungen bezüglich der Überwindung der Armut zu erfüllen.